Struktur und Klarheit schaffen

Nach dem ersten Anfall, spätestens allerdings nach dem Erhalt der Diagnose Epilepsie, stehen grundlegende Veränderungen an, die alle Lebensbereiche betreffen. Zunächst ist es, gefühlt, ein undurchsichtiges Dickicht, bei dem es weder einen klaren Anfang und noch ein klares Ende zu geben scheint. Deshalb ist es ungemein wichtig, sich eine Checkliste mit Aufgaben zu machen und einen realistischen Zeitplan für die nötigen Schritte zu erstellen. Im Fokus sollte hierbei stehen, es zu keiner Überforderung kommen zu lassen. Durch die kopflose Vorbereitung auf das Leben mit Epilepsie Anfälle auszulösen, wäre ein Schritt in die falsche Richtung.

Von daher gilt: Immer nur soviel anpacken, wie für den Moment sinnvoll ist. Dabei lieber einen Tag mehr einplanen, als in Hektik verfallen weil die Zeit zu knapp bemessen war. Das bedeutet auch, im Zweifelsfall, für einen Arztbesuch den ganzen Tag einzuplanen, auch wenn das Entschleunigen für viele im krassen Kontrast zum, vormals oft beabsichtigt hektischen, Arbeitsalltag steht. Volle Wartezimmer, verspätete öffentliche Verkehrsmittel oder ein Anfall auf dem Weg zum Arzt können eine erhebliche Verzögerung bedeuten. Allerdings ist es erfahrungsgemäß eine Gewohnheitssache und viele Betroffene finden relativ schnell einen für sie angemessenen Rhythmus für Erledigungen aller Art.

Gespräche helfen, mit Vorurteilen aufzuräumen

Für Gespräche innerhalb der Familie und mit Arbeitskollegen sowie mit den Vorgesetzten sollte ausreichend Zeit eingeplant werden. Oft gibt es einige Rückfragen oder Vorurteile, viele davon auf Halbwissen basierend, die im klärenden Dialog zur Zufriedenheit aller Beteiligten besprochen werden können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist hierbei auch, dass weder die Umgebenden das Gefühl bekommen sollten, den Betroffenen umsorgen zu müssen, noch der Betroffene das Gefühl, wie ein Aussätziger behandelt zu werden. Der Krankheit sollte mit dem nötigen Respekt begegnet werden, aber nicht mit Angst oder Vermeidung. Dafür ist eben jenes Verständnis nötig, das durch die Gespräche gebildet und gefestigt werden kann.

Mit einem anderem Blick durch das eigene Zuhause

Die eigenen vier Wände bedürfen natürlich auch entsprechender Umgestaltung. So ist es beispielsweise wichtig, sich Gedanken zu machen, wo gefährliche Stellen mit spitzen Kanten oder Ähnlichem zu finden sind und wie man diese anpassen kann. Vielleicht durch eine kleine Polsterung? Oder kann ein kleiner Schrank anders platziert werden? Auch auf Kabel und andere „Fallen“ im Haushalt sollte hier geachtet werden, da bei einem Anfall die Gliedmaßen des Betroffenen unkontrollierte Bewegungen ausführen. Situationen wie ein Arm, der an einem Kabel eines Elektrogeräts zieht, sind bei sorgfältiger Planung eindeutig vermeidbar. Im schlimmsten Fall kann es sogar sein, dass es nötig wird, die Wohnung zu wechseln, wenn zum Beispiel eine Maisonette-Wohnung mit enger Wendeltreppe eine zu hohe Sturzgefahr mit Verletzungsrisiko birgt.

Betreuer oder persönliches Umfeld?

Je nach Wohnsituation müssen auch die Gänge zum Supermarkt und dergleichen thematisiert werden. Da die meisten Epileptiker kein Kraftfahrzeug führen dürfen, kann es entweder zur Bereitstellung eines Alltagsbegleiters durch die Krankenkasse oder zur Absprache mit der Familie oder Freunden führen, um die sichere Versorgung mit den alltäglichen Gegenständen zu gewährleisten.

Nicht verzagen wenn etwas schiefgeht

Es ist nahezu unmöglich, von Anfang an an alles zu denken. Rückschläge und unvollständige Pläne sind, vor allem in solch schwerwiegenden Situationen, etwas völlig Verständliches und Normales. Dem Meistern des neuen Alltags geht stets ein Prozess des Lernens voraus. Je schneller allerdings die Akzeptanz hierfür einsetzt, desto konstruktiver und effektiver gestaltet sich die Anpassung an die neuen Umstände.